Familienpflegezeit: Hilfe für Angehörige?

Portal-News vom Samstag, 24. März 2012

Familienpflege

Das die Pflege und Betreuung von Senioren zeitaufwendig und kostenintensiv sein kann, erkannten auch die Politiker.
Anfang des Jahres wurde darum die Familienpflegezeit geschaffen mit dem Ziel, dass Gesundheitssystem zu entlasten und gleichzeitig den pflegenden Angehörigen entgegen zu kommen.
Nahe Angehörige eines Pflegebedürftigen können mittels der Familienpflege-Regelung ihre wöchentliche Arbeitszeit auf bis zu 15 Stunden reduzieren für einen Zeitraum von maximal zwei Jahren.
Zwar wird das Bruttogehalt entsprechend der fehlenden Arbeitszeit gekürzt, doch der Arbeitgeber gleicht die Lücke teilweise durch einen Gehaltsvorschuss wieder aus.
Wenn der Angehörige nach Ablauf der Familienpflegezeit wieder in Vollzeit arbeitet, bekommt er so lange ein reduziertes Gehalt, bis der Gehaltsvorschuss wieder komplett ausgeglichen worden ist.
Ein rechtlich garantierter Anspruch auf die Familienpflege besteht jedoch nicht. Denn anders als zum Beispiel bei der gesetzlich geregelten Elternzeit bedarf es für die Familienpflegezeit der vorherigen Einwilligung des Arbeitgebers.
Das die Familienpflegezeit ein Schritt in die richtige Richtung ist, wird von vielen Experten allerdings bezweifelt und so hagelte es bereits auch zahlreiche Kritik.
Rosemarie Drenhaus-Wagner, Vositzende von der Alzheimer Angehörigen-Initiative beklagt die fehlende Notwendigkeit und Akzeptanz der Familienpflegezeit:

Mir ist niemand bekannt, der auch nur erwogen hat, die Pflegezeit in Anspruch zu nehmen. […]
Das spricht wohl eher dafür, dass die Pflegezeit nicht den Bedürfnissen der Angehörigen entspricht – ganz abgesehen von den Arbeitgebern, die ja auch einwilligen müssen.

Dr. Peter Michell-Auli, Geschäftsführer des Kuratorium Deutsche Altershilfe sieht das größte Problem in der nach wie vor mangelhaften Unterstützung für Angehörige von Demenzkranken, welches auch die Familienpflegezeit-Regelung nicht gelöst hat:

Gerade die Angehörigen von Demenzkranken stehen derzeit im Regen.

Demenzkranke brauchen eine allgemeine Begleitung und Anleitung, die sehr anstrengend, aber finanziell nicht abgedeckt ist.
Denn die Einordnung in die unterschiedlichen Pflegestufen, für die es unterschiedlich viel Pflegegeld gibt, ist »verrichtungsbezogen«. Das heißt, dass »Zähneputzen« eine Tätigkeit ist, die angerechnet wird. Die Anleitung zum Zähneputzen und die reine Anwesenheit zählen dagegen nicht.
Dr. Michell-Auli erwartet, dass die zunehmende Anzahl von an Demenz betroffenen Menschen dazu beitragen wird, die Pflege-Misere stärker in den Blickpunkt zu rücken.
Quelle und weiterlesen:
2 Kommentare
Erschienen unter:
Alzheimer / Demenz, Gesetzliche Pflegeversicherung

2 Leserkommentare

  1. Es ist schlichtweg eine Unverschämtheit der Politiker, sich auf diesem Wege kostengüüüünstige Pflegekräfte verschaffen zu wollen – denn die im Artikel erwähnte „Reduzierung der Arbeitsstunden“ mit „Lohn/Gehaltsausgleich“ sollen die pflegenden Angehörigen ja in den beiden darauffolgenden Jahren selbst wieder verdienen, indem sie 100% arbeiten und weiterhin nur 75% bekommen!!!
    Na, das werden die allermeisten Angehörigen nicht allzulange aushalten – der „burnout“ mit laaaaaanger Krankenzeit wird so schon vorprogrammiert…!
    Komisch – da hat der deutsche Staat nicht mehr viel Geld für seine älteren Bürger (die die Rentenkassen Jahrzehnte-lang gefüllt haben!) – aber die Milliarden für die Rettung des Euros in Griechenland sind offensichtlich vorhanden…?!
    Man muss das nicht verstehen!

  2. ich bumße gern und lass meine bongos gern wackeln wau wau

Ihre Meinung ist uns wichtig.
Hier können Sie einen Kommentar schreiben:

Weitere Seiten zum Thema Krankenversicherung:
Startseite | Online-Vergleich | AGB | Impressum
Pflegegeld-Portal ist eine Seite der dewion Company, Copyright 2011 - 2017
Aufgelegt mit Wordpress und dem Theme Renegade